Archiv für die Kategorie „Kurzgeschichten“

Rudolf Junior

Es war einmal tiefer Winter und die Zwerge machten schon die Geschenke fertig. Eine Woche vor Heiligabend wurde die Frau von Rudolf schwanger. Sie freute sich sehr, aber wusste, dass es auch gefährlich war: Die Wölfe hatten nämlich besonders doll Hunger vor Heiligabend!

Der Weihnachtsmann wusste es. Deshalb sagte er zu den Zwergen: „Holt Rudolfs Frau!“

Zwanzig Zwerge rannten so schnell wie sie konnten. Als sie angekommen waren, merkten sie, dass etwas fehlte. Aber was nur? Der Schlitten! Ohne ihn konnten sie die Frau von Rudolf doch nicht in die Hütte bringen. Was machten sie bloß? Es wurde ja auch gleich Zeit fürs Abendessen. Doch zum Glück kam die Frau vom Weihnachtsmann, um den Schlitten zu bringen. Gerade rechtzeitig – denn die Wölfe waren schon sehr nah! Als sie zu Hause angekommen waren, kam der Weihnachtsmann und brachte Rudolfs Frau in den Stall. Es wurde Abend. Als alle schliefen, schlichen sich die Wölfe in die Hütte. Und entführten Rudolfs Frau.

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Die Legende von Tales Port (2008 – 2013)

„Der Boden bebte bedrohlich, jedes Mal, wenn er aufstampfte. Seine Schritte wurden leiser und leiser, bis sie schließlich im Wald verschwanden…“, hämmerte Darren in die Tastatur seines alten Laptops. Nachdem er sich die Sätze minutenlang auf dem Monitor betrachtet hatte, drückte er mehrmals die Backspace-Taste, um aufs Neue los zu grübeln. Darrens Bettzeug lag noch auf der Couch in der kleinen Wohnstube. Er selbst saß an einem runden Ecktisch. Wenn er nach links schaute, konnte er durch das Doppelfenster sehen, wie der Himmel vom dämmernden Morgen in hellrotes Licht getaucht wurde.

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Schattenwanderung

Wie kleine Kristalle sahen sie aus. Sternförmige Flöckchen legten sich vor seine Sicht und erfroren auf dem Fensterglas zu Eis. Dahinter lag sie, dick in ihre Wolldecken gerollt, schlafend und nichtsahnend, dass er Nacht um Nacht zu ihr flog und draußen vor dem Fenster Wache hielt. Wenn sie einen schlechten Traum hatte, flüsterte er ihr beruhigend zu. Bis sie aufhörte, sich im Bett hin und her zu drehen. Und wieder am Boden, freute er sich darauf, sie zurück in seine Arme schließen zu können. Manchmal rief sie ihn im Morgengrauen an. „Ich habe letzte Nacht wieder deine Stimme gehört“, sagte sie dann, in den Hörer lächelnd.

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