Wo beginnt man zu erzählen, wenn von der Sache selbst, über die man berichten möchte, ein ganzer Papierstapel von Prologen, ersten Kapiteln und Einstiegen existiert? Wie die meisten Leser sicher schon erkannt haben: Es geht um ein Buch oder vielmehr eine Geschichte, die seit nun schon über einem Jahrzehnt lang zu Ende erzählt werden möchte.

Die Idee zu diesem Projekt – und das Ganze nun auch auf das WorldWideWeb auszubreiten – entstand Ende des letzten Jahres. Konkret fiel die Entscheidung am 8. November 2011, einem weiteren Tag, an dem ich in meinem Arbeitszimmer ra(st)los auf und ab lief. Abgeschottet „im Exil“ – auf einer kleinen, verträumten Insel, die in Kindheitstagen für mich die Welt bedeutet hat – soll sich der Kreis endlich schließen. In den kommenden fünf Wochen (und allen Tagen darüber hinaus, die nötig sein werden, um das hier zu beenden) kehre ich ein Stück weit zu meinen Wurzeln zurück; tue das, was mir schon immer am meisten Spaß bereitet hat.

Mit am schlimmsten war das Warten bis hierher, darauf endlich loslegen zu dürfen und zu sehen, wie weit das eigene Potential reicht. Angetrieben, wie ein Adler, der mit seinen ausgebreiteten Flügeln über einem gleitet, hat aber gleichzeitig auch die Erkenntnis, welche unweigerlich auf die eine, immer wiederkehrende Frage abzielt: „Wer bin ich?“ Was mich betrifft, doch auch das musste ich mir selbst erst förmlich eingestehen: Ich bin und war schon immer Autor.

Warum gerade jetzt?

Wenn eine Idee, eine Geschichte fast schon endlos lang im Kopf reift, entwickelt sie sich nicht nur mit der Zeit immer weiter, verändert sich. Sie will auch irgendwann raus, das „Licht der Welt“ erblicken und leere Papierseiten füllen. Sie ruft regelrecht nach ihrem Schöpfer – „Lass‘ mich fliegen!“ – und das Tag für Tag, Nacht für Nacht. Schließlich steht dieser vor der Wahl: Stellt er sich seinen Ängsten (bei Schreibern ist das fast immer die Angst vor dem Versagen; davor, dass man vielleicht nicht gut genug ist – in einigen ganz wenigen Fällen auch die Furcht vor dem Wahnsinn, der in einem schlummert) – oder aber saugt sie ihn aus, nagt ewig an ihm und bleibt nur in seiner Fantasie das Größte, das er jemals hätte schaffen können, ohne auch nur einen ernsthaften Versuch unternommen zu haben, nach seinem Traum zu greifen.

Ein großer Traum, das war für mich immer schon ein Buch zu schreiben und auch zu publizieren. Beides schien für mich lange wie etwas Unerreichbares, ähnlich wie sich manche wünschen einmal in ihrem Leben ins All zu fliegen. Doch mittlerweile erscheint mir mein Vorhaben überhaupt nicht mehr wie einer dieser Weltraum-Träume. Die Voraussetzungen, die Lust am Schreiben und ein gewisses Grundtalent, sind vorhanden – und auch die sonstigen Rahmenbedingungen sind so gut wie vielleicht so schnell nicht wieder.

Worum geht’s überhaupt?

Ich habe es in gut zehn Jahren nie geschafft, den Inhalt meiner Geschichte in einem Satz zusammen zu fassen – und werde es wohl auch dieses Mal nicht hinbekommen. Fakt ist, dass „Rapael“ mir über viele Tiefs hinweg geholfen hat, denn wenn ich einmal einen kleinen Durchhänger hatte, habe ich den Plot weitergesponnen, neue Elemente hinzugefügt, alte wiederum gestrichen – und nächtelang in die Tastatur gehämmert. Einen Teil davon, was mir das Ganze gab, versuche ich nun an den Leser weiterzugeben. Denn – trotz der düsteren, mystischen Stimmung, die hier gemalt werden wird – heißt der Grundtenor, der diese Geschichte ausmacht: Hoffnung.

Die Webseite soll einerseits auf die Story einstimmen, den Leser neugierig machen, was nun hinter „Rapael“ steckt. Auf der anderen Seite dient sie auch mir für Trockenübungen, bevor es ans Eingemachte geht. Das soll heißen: Hier auf dieser Seite wird nicht ein Kapitel nach dem anderen aufgerollt, vielmehr sollen kurze Auszüge, Zitate der handelnden Figuren oder auch kleine Gedichte, die so in der Endfassung überhaupt nicht wiederzufinden sein werden, ein Bild der Stimmung zeichnen.

Und obwohl sich die Geschichte nicht so einfach in wenigen Worten greifen lässt, werde ich in den kommenden Wochen versuchen, eine Art Klappentext zu verfassen – so wie er später vielleicht auch auf dem Rücken des Hardcovers im Buchladen um die Ecke nachzulesen sein wird. 🙂

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