Rudolf Junior

Es war einmal tiefer Winter und die Zwerge machten schon die Geschenke fertig. Eine Woche vor Heiligabend wurde die Frau von Rudolf schwanger. Sie freute sich sehr, aber wusste, dass es auch gefährlich war: Die Wölfe hatten nämlich besonders doll Hunger vor Heiligabend!

Der Weihnachtsmann wusste es. Deshalb sagte er zu den Zwergen: „Holt Rudolfs Frau!“

Zwanzig Zwerge rannten so schnell wie sie konnten. Als sie angekommen waren, merkten sie, dass etwas fehlte. Aber was nur? Der Schlitten! Ohne ihn konnten sie die Frau von Rudolf doch nicht in die Hütte bringen. Was machten sie bloß? Es wurde ja auch gleich Zeit fürs Abendessen. Doch zum Glück kam die Frau vom Weihnachtsmann, um den Schlitten zu bringen. Gerade rechtzeitig – denn die Wölfe waren schon sehr nah! Als sie zu Hause angekommen waren, kam der Weihnachtsmann und brachte Rudolfs Frau in den Stall. Es wurde Abend. Als alle schliefen, schlichen sich die Wölfe in die Hütte. Und entführten Rudolfs Frau.

Sie schrie: „Hilfe! Hilfe, Rudolf!“

Rudolf wurde wach und rannte so schnell wie möglich zur Hütte. Doch leider kam er zu spät. Er wusste nicht, was er machen sollte. Plötzlich kam ein kleiner Weihnachtszwerg und fragte:

„Kriegst du nicht bald ein Kind?“

„Ja! Deswegen muss ich sie auch befreien!“ antwortete Rudolf.

„Okay. Dann werde ich dir helfen!“

„Wieso schläfst du nicht? So wie deine Geschwister?“

Es war nämlich schon 23 Uhr. „Ich konnte nicht schlafen“, sagte der kleine Weihnachtszwerg, „Und habe mich hinter den Kisten da versteckt, als ich die Wölfe gesehen habe.“

„Aber wieso?“

„Ich hatte so große Angst! Und ich bin doch der Kleinste und Jüngste.“

„Aber wieso willst du jetzt mitkommen, wenn du so große Angst hast?“

„Ich will es einfach wiedergutmachen!“

Rudolf grinste und sagte: „Na dann lass uns losgehen.“

„Okay, ich suche nur noch schnell Sachen, die uns vielleicht bei der Suche und der Befreiung helfen könnten!“ Der kleine Weihnachtszwerg suchte und suchte. Nach 15 Minuten kam er wieder.

„Wieso hat das so lange gedauert?“ fragte Rudolf.

„Ich habe ein paar Freunde eingeladen, die uns helfen!“

„Na dann los!“

Sie trafen Tiga, Nashorn und Jaguar im Wald. Tiga sagte: „Hey, Rudolf!“ – „Können wir losgehen?“ fragte Nashorn.

„Na klar“, sagte der kleine Weihnachtszwerg, „Hmh… Wisst ihr, wo es langgeht?“

„Seht! Wolfsfußspuren!“ sagte Jaguar.

„Yes! Lasst sie uns verfolgen!“

Nach 30 Minuten kamen sie an der Höhle der Wölfe an. Der Weihnachtszwerg fragte: „Hat jemand einen Plan?“ Tiga, Nashorn und Jaguar sagten: „Nein!“ Rudolf war der Einzige mit einem Plan:

„Tiga und Jaguar, ihr kommt mit mir! Nashorn und Weihnachtszwerg…“ – „Ich heiße übrigens Ferdinand“, unterbrach er Rudolf, „Aber es reicht auch, wenn ihr mich Ferdi nennt. Okay?“

„Na klar! Nashorn und Ferdi – ihr sorgt für Ablenkung. Ist das okay?“

„Ja, für deine Frau und dein Kind tun wir alles, oder?“ – „Ja!!!“

„Danke! Los geht’s!“

Ferdi setzte sich auf Nashorn und beide gingen zu den Wolf-Wachen.

„Hallöchen!“

Die Wolf-Wachen sagten: „Hey, ihr! Kommt mal her!“

„Nö, fang uns doch, wenn du es schaffst!“

Die Wolf-Wachen versuchten, sie zu fangen. Rudolf, Tiga und Jaguar schlichen sich derweil in die Höhle.

„Oh nein! Da sind ja noch mehr Wölfe!“

„Pass auf, Rudolf! Jaguar und ich lenken sie ab. Schleich du dich vorbei!“

„Das würdet ihr für mich tun?“

„Na klar! Du bist doch unser Freund!“

„Danke!“

„Kein Problem! Sei vorsichtig!“

„Na klar!“

Tiga und Jaguar riefen: „Hey, haaaalloooo! Ihr da! Wollt ihr uns?“

„Kommt her, ihr Doofis!“ sagten die Wölfe böse.

„Nö! Kommt ihr doch her!“

Die Wölfe jagten sie. In der Zwischenzeit schlich sich Rudolf bis zu einer Tür, an der eine rote Nase war. Er war sich sicher, dass seine Frau dort drin gefangen war. Er ging hinein und fand sie an Seilen gebunden. Sie schrie vor Freude: „Rudolf, Rudolf! Du bist gekommen, um mich zu retten!“

„Na klar – was dachtest du denn?! Dass ich im Stall Stroh esse und mir Gedanken mache, wie mein Kind ausgesehen hätte? Nie im Leben!“

In der Zwischenzeit war es den Wolf-Wachen jedoch gelungen, Ferdi und Nashorn einzufangen. Und auch den normalen Wölfen gelang es, Tiga und Jaguar zu fangen. Der König der Wölfe hatte Rudolf beobachtet, seit er in die Höhle gegangen war. Er ging zu ihm und packte ein Seil um Rudolf.

Seine Frau rief: „Stopp! Lass ihn in Ruhe!“

„Niemals!“

Die Wölfe kamen mit Nashorn, Ferdi, Tiga und Jaguar herein.

„Lasst sie gehen!“ rief Rudolf.

„Nö! Haha!“

„Wieso nicht?“

„Weil ich endlich eine Freundin habe. Nicht wahr?“

„Nie im Leben!“ brüllte Rudolfs Frau.

„Herr Wolf-König…“

„Ja, Rudolf – was gibt‘s?“

„Wenn du sie nicht freilässt, dann stirbt mein Kind.“

„Ach so, du bekommst ein Kind?“

„Ja.“

„Aber wieso hast du das nicht vorher gesagt?“

„Wie denn auch?“

„Tut mir leid, hättest du das vorher gesagt, hätte ich euch nicht gefangen! Ich wollte nur eine Freundin. Aber ich werde wahrscheinlich nie eine bekommen!“

„Ach, mach dir nichts draus: Wir finden schon eine für dich.“

„Sicher?“

„Ganz sicher!“

„Okay! Lasst sie frei! Los, los! Schnell rennt raus!“ Sie waren nach zwei Minuten draußen.

„Sieh doch, Jaguar!“ – „Was denn?“ – „Die Geburt von Rudolfs Kind!“

Der Weihnachtsmann und seine Frau kamen. Sogar alle Weihnachtszwerge waren da. Es war ein schöner Moment für alle! Zum Schluss sagten Rudolf und seine Frau den Namen ihres Kindes: Rudolf Junior! Danach machten alle eine große Party. Selbst die Wölfe waren eingeladen. So fand der Wolf-König doch noch seine Freundin. Und alle waren glücklich! Zu Weihnachten war Rudolf Junior schon fünf Monate alt. Und durfte im Schlitten vom Weihnachtsmann mitfliegen. Er durfte sogar mit in die Häuser der Kinder – der Traum eines jeden kleinen Rentieres!

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

(Aus: „Lenas Buch“ – 24. Dezember 2013)

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